Textweise

Die nächste Frage ist, ob die Gedichte eine enge Beziehung zueinander haben. Ich erwähnte schon, dass es in diesem Zyklus wohl um den Tod Grunds Schwägerin ging. Der Zyklus fängt mit dem Stück „feuchter Frühlingsabend” an. Dieses Stück ist sicherlich traumatisch. Giebel beschrieb den Frühlingsabend mit wunderschönen worten, aber in dem letzten Vers schrieb er:

Ich möcht’ ein Lied ersinnen,
Das diesem Abend gleich,
Und kann den Klang nicht finden,
So dunkel, mild und weich.”

Hier kann man den romantischen, ironischen Heine erkennen, dessen Bedeutung der Gedichte mit den letzten zwei Zeilen total umgedreht wird . Das lyrische Ich ist geistlich traurig, wogegen alles in der Natur blüht wegen des Frühlings. Diese Einführung zeigt die Stimmung der folgenden fünf Gedichte.

Das nächste Gedicht folgt der Irone des ersten Gedichtes. Es fängt total aufgeregt an. Die Wörter „Trüben”, „zehrend Feuer”, „kommen” und „fliehen” vermittelt ein Gefühl von Dringlichkeit, das das Ende des letzten Gedichtes komplimentiert. Themen von Natur sind noch im Gedicht zu spüren, aber dieses Mal in einem negativen Sinn. Im letzten Vers spricht das lyrische Ich von jemandem, von dem das lyrische Ich geschieden wurde. Wenn das ein Zyklus wäre, würde das gerade den Inhalt beschreiben.

Nach dem Tod eines Freundes” heißt das nächste Stück. Hier kann man sicherlich sehen, das der Inhalt der Gedichte wichtig ist, um einen toten Freund zu ehren. Das ganze Gedicht enthält 13 Verse, aber Grund entschied sich, nur die ersten 3 zu benutzen, vermutlich weil das Gedicht sich auf einen bestimmten Namen im 4. Vers bezieht. Grund wollte wohl ein Gedicht, das zu seinen Problemen passte, und nicht zu Giebels Problemen, für die er das Gedicht schrieb. Hier könnte man sagen, dass der Tod akzeptiert wird, während der Anfang die Unterdrück des Todes zeigte.

Das 4. Gedicht ist am interressanten, weil – wie vorher erwähnt – Grund es wohl selbst schrieb. „Giebel” tauchte nicht am Ende, wie in der anderen Stücken. auf, und das Gedicht existierte nicht in Giebels Gedichtesammlungen. Hier kann man die Stimme des Komponisten hören. Das bedeutet, dass das Problem, über das Grund schrieb, ein persönliches Problem war. Wenn man diese Idee mit den anderen Gedichten vergleicht und mit der Widmung am Anfand an seine Schwägerin, wird es einem klar, dass es bei diesem Gedicht wohl um den Tod seiner Schwägerin geht. Ein Zyklus, bei dem es direkt um ein persönliches Problem geht, ist zu der Zeit ganz selten, denn  neu, denn normalerweise geht es in Zyklen um abstrakte Geschichten, oder Geschichten, die reich mit poetischen Metaphern sind. Das Persönliche im Zyklus ist etwas, was dieses Stück von der anderen abhebt.

Das nächste Gedicht stammt wieder von Giebel. Dieses Gedicht ist etwas glücklicher. Das zeigt auch, dass das 4. Gedicht, das Grund schrieb, ein Wendepunkt im Zyklus war. Der letzte Teil im Gedicht spricht über das Leid und die Lust, und wie sie ähnlich sind. Es ist ein typisch romantisches Thema, das Giebel hier wählte. Im Kontext des Zyklus zeigt es, dass Grund Hoffunung ausdrücken möchte, was bis jetzt noch nicht aufgetaucht war.

Der Titel des letzten Gedichtes deutet das Ende einer Geschichte an. Das Wort „erlöst“ trägt die Bedeutung, dass etwas zu Ende ist. Dieses Gedicht ist so leicht, dass es sich wie ein Ende anfühlt. Es ist wichtig für den Fall, dass diese Liedersammlung ein Zyklus ist, denn es bringt der Zyklus zu Ende. Somit ist es eindeutig klar, dass diese Liedersammlung zusammengestellt wurde, um eine einheitliche Geschichte, in der es um den Tod Grunds Schwägerin Friederike Meyer geht, zu präsentieren.