Das Lied

Das Lied ist ein Musikgattung, die ursprünglich für Stimme und Klavier geschrieben wurde. Das Ziel des Liedes war es, ein zeitgenössisches, romantisches, und säkularisches Gedicht für Stimme und Klavier zu vertonen. Besonders wichtig für das Lied ist es, dass Gedicht und Musik eng zusammenhängen. Dementsprechend passt das Wort Lied gut zur Gattung, denn das Wort „Lied” ist mehrdeutig. „Lied” kann sich auf ein Gedicht oder einen Gesang beziehen. Diese polyseme Bedeutung des Wortes spiegelt die polyseme Bedeutung der Musikgattung.

Das Gedicht und die Musik waren aber nicht gleichbedeutend. Jane K. Brown schrieb, „Am Anfang waren Gedichte.” Das heißt, Musik dient dem Gedicht. Diese Idee war in Musik nicht neu. Monteverdi sprach darüber in seinem Manifest über „secondo practica,” nämlich, Musik könne dissonant sein, solange sie den Wörtern folgen würde. 1 Jedoch ist das Lied etwas anderes: im Lied verschwimmt die Grenze zwischen Gesang und Text.

Das Lied verkörpert auch ein Zurückkehren zur Einfachheit. Es entspricht der Musik der Vergangenheit, die lyrischer war. Komponisten wie Guillaume de Machaut schrieben im Mittelalter mit „formes fixes” Die „formes fixes” waren bestimmte Strophenstrukturen in Musik, denen Komponisten unbedingt folgen mussten. Genauso war es am Anfang für das Lied. Komponisten wie Louise Reichhardt in Hamburg folgten bestimmten Strophenformen.

Auch ist das Lied von der Gattung Volkslieder geprägt. Warum Volksmusik? Volksmusik ist einfach. Der Tonumfang ist gering (normalerweise innerhalb einer Oktave), und die Melodien folgen ganz bestimmten und einfachen Mustern. Das ist wichtig für die Volksmusik, da jeder diese Musik singen musste – definitionsgmäß war diese Musik für das Volk.  So war es für die, die Lieder im 18. und 19. Jahrhundert schrieben. In Österreich, wo viele berühmte Liederkomponisten wohnten, finanzierte die Monarchie Musik nicht mehr. Komponisten mussten aus diesem Grund für Freunde und Bekannte Musik komponieren, um Geld zu verdienen.

Volksmusik kennzeichnete auch den Anfang des Nationalismus in Deutschland. Nach Napoleon wollten die Deutschen eine nationale Kultur entwickeln. Komponisten wie Beethoven schrieben Musik mit deutschen musikalischen Texten statt italienischen oder französischen. So entwickelte sich das Lied auch weiter, denn eine Musikgattung, die von deutschen Gedichten abstammte, gefiel den Deutschen. Kritiker zu der Zeit dachten, dass das Lied langweilig war, denn sie mochten Musik, die harmonisch kompliziert war. Aber heute sagen viele klassische Musiker, Lieder seien die höchste Form der Kunst. Warum haben Musikkritiker ihre Meinung geändert? Es ist so, weil sie bemerkt haben, dass die Qualität des Liedes in der Subtilität liegt. Geniale Komponisten wie Schubert konnten bedeutungsvolle, komplizierte Ideen zwischen einfacher Musik verstecken. So ist es mit Friedrich Wilhelm Grund. Er schrieb Musik, die oberflächlich einfach schien, aber die voll Bedeutungen war.

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