Analyse der Interviews

Das Überaltern der Gemeinde

Alle 8 Teilnehmer, die an einem Interview teilnahmen, waren im Alter von 40-91 und eine im Alter von 28. Es gab ein paar Jugendliche und Kinder, aber nur wenige. Alle Teilnehmer sagten im Interview, dass dieses Überaltern für das Überleben dieser Gemeinde ein großes Problem ist. Im Weiteren machten sich die Interview Partner Sorgen, um das Überleben der Religion und Kultur. Die jüdischen Privatschulen in Hamburg sind sehr gut aber auch sehr teuer im Vergleich zu anderen Privatschulen, meinte eine Person und das sei der Hauptgrund, warum manche jüdischen Eltern ihre Kinder auf eine billigerer Privatschule schicken z. B. auf eine katholische Schule. Eine Mutter sagte mir: „Die Privatschulen für Juden sind die besten der Stadt. Aber es kostet vielleicht 800 Euro pro Monat, vielleicht mehr. Meine Kinder lernen an einen katholische Schulen für 550 Euro pro Monat.“

Eine kleine Gemeinde und die Suche nach einer Heimat

Die Liberale Jüdische Gemeinde Hamburgs „ist wie eine große jüdische Familie mit verschiedenen Sprachen und Nationalitäten.“1 Viele Mitglieder dieser Gemeinde wanderten nach Deutschland in der Suche nach einer neuen Heimat aus. Sie sehen sich als Deutsche in der Gesellschaft, aber nicht als Juden. Sie möchten aber gerne als beides akzeptiert werden.

Ein Problem mit der Integration sind “die mangelnden Deutschkenntnisse der Zuwanderer, die sich kaum die Mühe machen, deutsche Sprachkenntnisse zu erwerben.”2. Studien ergeben, dass nur etwa 15 Prozent der älteren russischen Zuwanderer die deutsche Sprache beherrschen. Das basiert auf der Tatsache, dass die jüdischen Zuwanderer oft nur geringen Kontakt zu Deutschen haben und die Deutschen wiederum nur sehr wenig über das Judentum wissen. 3 4

Die Leute die ich befragte, haben wenig Hoffnung auf wirtliche Integration und es ist ein großes Problem für sie. „Wir sind nicht integriert.“5 Ein 50-jähriger Mann sagte mir: „Wir haben Orthodoxe Juden, die keinen Kontakt mit uns haben möchten.“ Es gibt keine wirklich integrierte jüdische Gemeinde hier in Hamburg, und das ist nicht nur ein Problem für Hamburg sondern auch für Deutschland.

Meine Interviews zeigen, dass immer noch ein Gefühl des Antisemitismus unter den Befragten besteht. Deshalb ist diese jüdische Gemeinde mehr denn je verunsichert, deshalb fragen sie sich: Wo ist unser zu Hause?


  1. Aus dem Interview mit einem Mann in der Gemeinde, ungefähr 50 Jahre alt.

  2. Lena Gorelik, „Zwischen Integration und Isolation: Russische Juden in Deutschland“ Ost-West: Europaische Prespektiven, 3/2008, http://www.owep.de/artikel/644/zwischen-integration-und-isolation-russische-juden-in-deutschland.

  3. Katja Bigalke, “Der Jude in der Box,” Deutschlandradio Kultur,  24 Juni 2013 

  4. Die ganze Wahrheit … was Sie schon immer über Juden wissen wollten.

  5. Interview[footnote] Aus dem Interview mit einer älteren russischen Frau.