Punk in Deutschland

Die sozialen und kulturellen Bedingungen für Punk und dessen Subkultur in (West-) Deutschland waren gänzlich anders als in England oder den USA, weil es keine bunte Vielfalt an jugendlichen Stilen wie in England und auch keine so große und experimentierfreudige Künstlerszene in den Großstädten gab, wie sie New York City zu bieten hatte. 1 Informationsquellen gab es kaum während den Siebzigern, deshalb sammelten deutsche Jugendliche neue Punk Erfahrungen durch Radio, Zeitschriften oder Fernsehen. Außer Konzerten waren Platten Zeitschriften ein wichtiger Teil der frühen Punk Subkultur. Die Jugendzeitschrift Bravo nahm eine besondere Rolle ein, da sie früh und häufig über die Sex Pistols und die Ramones berichtete. Leute, die aus London wiederkamen und dort “echten Punks” begegnet waren, verteilten die Punk Subkultur über ganz Deutschland. Ab der zweiten Hälfte des Jahres 1976 tauchten deutsche Punkpioniere auf. Als allererste deutsche Punkband gelten Big Balls & the Great White Idiot aus Hamburg. Mit ihrer Gründung lagen sie knapp vor Male aus Düsseldorf, die sich im Dezember 1976 zusammen fanden. In der frühen Ära von Punk Rock in Deutschland spielten Punk Bands selten in den kommerziellen Hallen. Sie mussten ihre eigenen Plätze finden, wo sie spielen konnten. 2 Alle diese Orte, die für diese frühen Punk Bands zugänglich waren, waren in großen Städten im nördlichen Teil Deutschlands. Als erste Treffs gelten ab 1977 in Deutschland das Punkhouse, das SO36, das KZ36 (alle in Berlin), die Markthalle und das Krawall 2000 in Hamburg und der Ratinger Hof in Düsseldorf. Die Gestaltung von Plattenproduktionen in Deutschland war schwieriger als in England, weil Mayor-Labels kein Interesse an Punkmusik hatten. In den frühen Achtzigern gründeten sich viele Deutschpunkbands. 3 Während dieser Zeit begann sich die Punk Szene zu trennen. Viele frühen Punk Bands wendeten sich dem New Wave zu, deshalb wollten die Jüngeren aggressiven, rohen Punk. Wegen diesen verschiedenen Geschmäcker und Visionen trennte sich die Szene zunehmend. Diese neue, härtere Subgattung von Punk wurde zuerst als Hardcorepunk, dann Deutschpunk bezeichnet. Deutsch gesungene, einfach strukturierte, parolenartige und politische Texten waren charakteristisch für diese Gattung. 4


  1. Meinert; Seeliger 26

  2. Meinert; Seeliger 28

  3. Meinert; Seeliger 28

  4. Meinert; Seeliger 29