Die Beziehung zur Politik

In den Interviews mit Dirk Jora von Slime und Andreas Siegler und Jan Conrad von Razzia sprach ich über Einflüsse der Politik auf ihre Musikstile. Dirk Jora beantwortete meine Fragen direkt und sagte, dass der größte Einfluss auf Slime die Sex Pistols and the Clash waren, weil sie so politisch waren. Er sagte auch, dass die Turbulenz und politische Gewalt der Achtziger die Musik der Band beeinflussten. Als ich über die Ziele der Texten von der Band während dieser Zeit fragte, antwortete er:

“Politische Verhältnisse. It was the time of the anti-fascist movement. The fascist movement was coming back really big, 
so we had to fight it … it was the glory days of the squatted houses … it was anti-nuclear power, that was a main thing for us … 
anti-racism, anti-fascism - those were the main issues.”1

Die Band habe für ihre Fans geschrieben, die sich oft Schlachten mit Neo-Nazis und Polizisten auslieferten. Lieder wie “Nazis raus” und “A.C.A.B” (All Cops are Bastards) sind Beweise für diese Darstellung. Zusätzlich befürwortete Slime die Teilnehmer an den Hausbesetzungen und sie spielten auf Benefizkonzerten für die Besetze.

Razzia sprach auch von Politik und befürwortete auch die Teilnahme an den Hausbesetzungen, aber nicht mit der Intensität von Slime. Viele der Lieder von Razzia, wie “Nacht im Ghetto”, schlossen politische Untertöne ein, aber drückten keine bestimmte politische Einstellungen aus. Razzia schrieb meistens über politische Themen, wenn es die persönliche Meinung oder das persönliche Leben der Bandmitglieder betraf. In meinem Interview mit Andreas Siegler und Jan Conrad erkannte ich das, weil sie sich nicht immer auf die Bedeutung von Politik in der Musik von Razzia einigen konnten. Über die Politik der Achtziger waren sich die zwei Musiker nicht einig. Jan Conrad beantwortete meine Frage folgendermassen: ”Wir haben nicht über soziale Themen diskutiert, unser Leben war wichtig.” Andreas Siegler erklärte: “Andere Themen waren wichtig… Es war Kriegsgefahr, es war die Umweltverschmutzung in Deutschland… Das politische System war zum großen Teil korrupt. Natürlich hat man das in der Musik eingeschlossen.” Dazu erwiderte Jan Conrad: “Das sind ja keine sozialen Themen…” Jan Conrad sagte weiter:

“Wir haben nicht über die Hafenstraße gesprochen… wir haben nicht darüber diskutiert, ist die Hafenstraße 
berechtigt oder nicht ... wir haben gefeiert, wir haben nicht sozial diskutiert.”2

Darauf antwortete Andreas Siegler: “Je, aber, ich kann dir durchaus sagen, dass wir darüber gesprochen haben.” Skeptisch meinte Jan: “Wir haben nicht groß reflektiert.”


  1. Aus dem Interview mit Dirk Jora.

  2. Aus dem Interview mit Jan Conrad.