No-Gender Ideologie

In der Toilette  an der Universität Hamburg

In der Toilette an der Universität Hamburg

Nur ein Befragter, der die Hamburger Frauenquote ablehnt, hatte keine liberale Ideologie. Stattdessen hatte er eine “no-gender” Ideologie. Für ihn ist die Frage nach dem Geschlecht nicht wichtig. Er glaubt nicht, dass man Identitätsmerkmale in Verordnungen oder Regelungen benutzen soll, um Entscheidungen zu treffen. Er denkt, dass Frauen und Männer gleich sind, und dass es keine Unterrepräsentierung der Frauen in der Politik gibt. Aus diesen Gründen braucht man keine Frauenquote und es soll keine Frauenquote existieren.

Als ich diesen Befragten bat, seine politische Einstellung zu beschreiben, sagte der: “ich unterstütze die Partei die Linke und, uh, bin für einen funktionierenden Sozialstaat, gleiche Rechte für alle.” Jedoch anders als die Menschen mit einer feministischen Ideologie, die auch für gleiche Rechte stehen, aber die vor allem die Förderung der Frauen möchten, glaubt dasLinke-Mitglied, dass Gleichberechtigung bedeutet, dass Männer und Frauen gleich behandelt werden sollen. Um seine Ablehnung der Frauenquote zu unterstützen, sagte er: “ich finde…nicht gut, Menschen einfach in Kategorien einzuteilen und dann eben möglicherweise Leute nur auf Grund eines Identitätsmerksmals, also in dem Fall das Geschlecht, dann eben zu bevorzugen oder benachteiligen.” Hier ist es klar, dass wegen seiner politischen Ideologie von Gleichberechtigung eine Frauenquote, die einen scharfen Unterschied zwischen Männern und Frauen macht, unrecht ist.

Weil es in seiner politischen Ideologie keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen gibt, glaubt er auch, dass es keine Gender-Diskriminierung in Politik geben sollte. Er sagte:

"Wenn es jetzt wirklich so sein sollte, dass es so eine Art Männerbünde gibt, die gezielt Frauen ausgrenzen, ganz gezielt Frauen, deswegen weil sie die Frauen verhindern wollen, dann wäre vielleicht eine Quote eine Möglichkeit dagegen vorzugehen. Ich weiß aber nicht, ob das so ist. In der Politik habe ich das jedenfalls nie festgestellt. Ich als Mann würde bestimmt nicht, irgendwie eine Frau, die ich für qualifiziert halte, deswegen ausgrenzen, weil sie eine Frau ist. Und ich kenne ehrlich gesagt, auch kein Mann, der so vorgeht."1

Hier ist es klar, dass er glaubt, dass keine Diskriminierung oder strukturellen Gründe existiert und  deshalb brauchen Frauen keine Quote. Er betonte diese Idee in dem Interview: “Ich glaube da gibts mittlerweile keine wirklichen Beschränkungen mehr… da die letzte Männerdomäne in der Politik… gefallen ist.” Seine politische Ideologie glaubt an keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen  und deswegen kann keine Diskriminierung anhand Geschlecht existieren. Dieser Logik zufolge wird keine Frauenquote gebraucht. Zusätzlich glaubt er, dass eine Frauenquote unrecht ist, weil sie einen Unterschied zwischen Männern und Frauen macht.


  1. Aus dem Interview mit einem Studenten