Literaturübersicht

Eine Frauenquote, oder eine Geschlechterquote oder Genderquote, ist ein Mittel, das versucht, die Repräsentation der Frauen in verschieden Bereichen zu erhöhen. Politische Frauenquoten sind die häufigste Form von Frauenquoten, und ab 2005 wurden politische Quotengesetze in mehr als 50 Ländern eingeführt. 1 Frauenquoten können gesetzliche Quoten oder freiwillige politische Parteiquoten sein. Gesetzliche Quoten sind meistens Quoten für eine Anzahl Sitze oder Wahl-Quoten. Quoten von reservierten Sitzen erfordern, dass eine bestimmte Anzahl von Sitzen in einer politischen Instanz, wie zum Beispiel im Parlament, Frauen sein muss. Solche Quoten findet man in Asien, dem Nahen Osten, und Afrika. Wahl-Quoten erfordern, dass ein bestimmter Prozentsatz der Kandidaten auf der Kandidatenliste Frauen sein muss und in der Europäischen Union gibt es nur Wahl-Quoten und freiwillige Parteien Quoten. Freiwillige politische Parteien Quoten sind ähnlich wie Wahl-Quoten, aber Parteien Quoten werden nicht von der Regierung beschlossen, sondern von der Partei.2

CSU Poster in der Innenstadt Hamburg

CSU Poster in der Innenstadt Hamburg

Derzeitig existiert keine nationale politische Frauenquote in Deutschland, aber die meisten politischen Parteien haben freiwillige Parteiquoten. In den letzten Jahren war eine Frauenquote für Unternehmen die große Debatte um Geschlechterquoten in Deutschland. Wie politische Frauenquoten werden Frauenquoten in der Privatwirtschaft auch zunehmend populär. Norwegen verabschiedete die erste Frauenquote für Unternehmen im Jahr 2003, und jetzt haben viele europäische Länder ähnliche Gesetze beschlossen. 3 In Deutschland versuchten linke Parteien eine Frauenquote für Unternehmen im Frühling 2013 einzuführen, aber sie wurden von der CDU, der CSU, und der FDP blockiert. Jedoch bildete die CDU eine Koalition mit der SPD nach der Bundestagswahl von 2013, und nach den Koalitionsverhandlungen vereinbarten die CDU und die SPD, eine Unternehmenquote auf ihre Agenda zu setzen. 4 Eine nationale Frauenquote von 30% für Unternehmen soll im nächsten Jahr beschossen werden. 5

Die Frauenquote wurde zuerst ein politisches Thema in Deutschland in den 70er Jahren mit dem Aufkommen der Grünen und der neuen Frauenbewegung. Zu dieser Zeit waren alle diskutierten Frauenquoten  politische Quoten und die politischen Parteien begannen mit der Annahme freiwillige Parteiquoten. Die Grünen hatte eine Quote von 50% seit ihrer Gründung. Die nächste Partei, die eine Quote einführte, war die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), die eine Quote von 40% in den 80er Jahren beschloss. Die Linke (ehemals PDS) und die Christlich-Demokratische Union (CDU) erstellte sie in den 90er Jahren. In den Linken müssen die ersten zwei Positionen und danach jede zweite Position auf den Kandidatenlisten Frauen sein und die CDU hat eine Quote von einem Drittel (33%).6 Die Freie Demokratische Partei Deutschlands (FDP) hat bis jetzt noch keine Frauenquote eingeführt, weil sie nicht der liberalen Philosophie der FDP entpsricht. 7  Die freiwilligen Geschlechterquoten folgen politischen Ideologien: Je weiter links eine Partei ist, desto höher die Quoten und desto strenger ihre Vorschriften.

SPD Poster in der Innenstadt Hamburg

SPD Poster in der Innenstadt Hamburg

Andere politische Quoten existieren in Deutschland, aber nicht auf nationaler Ebene. Am 12. Dezember 2013 verabschiedete das Hamburger Parlament eine politische Frauenquote. Das Gesetz bestimmt eine Frauenquote von 40% für alle Gremien, bei deren Besetzung die Stadt Hamburg mitbestimmen kann und auch für Aufsichtsräte städtischer Unternehmen. 8 Das Hamburger Parlament verabschiedete dieses Gesetz großenteils, weil die SPD eine komplette Mehrheit im Parlament hat. 9.

Meines Wissens existiert keine Forschung über die Hamburger Frauenquote, weil sie so neu ist. Außerdem existiert auch keine von der Regierung  mandatierte politische Frauenquote in Deutschland. Aus diesen Gründen  untersuchen derzeitige Forschungsprojekte über die Frauenquote in Deutschland nur die Parteiquoten. Diese Forschung hat die Tendenz, die Effektivität der Quote auszuwerten, und nicht die öffentliche Meinung nach der Quote zu untersuchen. 10 11 12 Es gibt wenig Forschung, die die öffentliche Meinung zu Frauenquoten für Unternehmen untersucht. Eine Studie über die Unternehmenquote in Norwegen fand drei Hauptargumente in der Debatte zur Unternehmenquote: Gerechtigkeit, Fähigkeiten und Demokratie, und dass jede Seite diese Rahmenbedingungen verwendet, um für ihre Position zu argumentieren. 13 Eine weitere Studie, in der schwedische und finnische Medientexte über die Frauenquote für Unternehmen analysiert wurden, fand, dass Anhänger des freien Marktes ihre Ideen benutzen, um geschlechtsspezifische Argumente zu unterdrücken.14 Diese Studien sind nützlich, aber sie liefern keinen tiefen Einblick zu den verschiedenen Standpunkten zur Hamburger Frauenquote.


  1. Dahlerup, D. (2005). Increasing women’s political representation: New trends in gender quotas. In J. Ballington & A. Karam (Eds.), Women in parliament: Beyond numbers (pp. 141-153). 

  2. Dahlerup, D.  & Friedenvall, L. (2008). Electoral gender quota systems and their implementation in Europe. Brussels: European Parliament

  3. Armstrong, J. & Walby, S. (2012). Gender quotas in management boards. Brussels: EuropeanParliament.

  4.  Corporate compromise: Coalition talks yield plan for quota. (2013, November 18). Spiegel Online.

  5. Schwartz, P. (2014, März 25). Die Frauenquote kommt.

  6. Dahlerup, D. (2010, August 23).  Voluntary Political Party Quotas.

  7. Geissel, B. (2008). Germany: Successful quota rules in a gendered society. In D. Dahlerup & L. Friedenvall (Eds.), Electoral quota systems and their implementation in Europe (60-71). Brussels: European Parliament.

  8. JY. Ziggel-Khalil, persönliche Kommunikation, January 15, 2014

  9. Gleichberechtigung: Hamburger Senat beschließt Frauenquote. (2013, June 18). Spiegel Online.

  10. Davidson-Schmich, L.K. (2006). Implementation of political party gender quotas: Evidence from German Länder 1990-2000. Party Politics, 12(2), 211-232.

  11. McKay, J. (2004). Women in German politics: Still jobs for the boys? German Politics, 13(1),56-80. doi: 10.1080/0964400042000245398

  12. Geissel, B. (2008). Germany: Successful quota rules in a gendered society. In D. Dahlerup & L. Friedenvall (Eds.), Electoral quota systems and their implementation in Europe (60-71). Brussels: European Parliament.

  13. Storvik, A. & Teigen, M. (2010). Women on board: The Norwegian experience. Berlin: Friedrich Ebert Stiftung.

  14. Tienarie, J., Holgersson, C., Meriläinen, S., & Höök, P. (2009). Gender, management, andmarket discourse: The case of gender quotas in the Swedish and Finnish media. Gender, Work and Organization, 16(4), 501-521. doi:10.1111/j.1468-0432.2009.00453.x