Liberale Ideologie

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FDP Poster in der Innenstadt Hamburg

Die liberale Ideologie zur Frauenquote folgt dem gleichen Muster wie die feministische. Die liberale politische Ideologie beeinflusst, wie man die Positionen der Frauen in der Politik sieht und auch die Gründe für diese Position. Für die liberale Ideologie erkennen die Menschen an, dass Frauen unterrepräsentiert sind, aber sie denken, dass es nicht ein Problem der freien Marktwirtschaft und der “Leistungsgesellschaft” ist, Merkmale dieser Politik, die immer Qualifikation belohnt. Dieser Logik zufolge gibt es weniger Frauen in Politik, weil weniger qualifizierte Frauen existieren.  Deswegen wird keine Frauenquote gebraucht.

Von den vier Menschen, die die Hamburger Frauenquote ablehnen, haben drei eine liberale Ideologie. Der Befragte, der zu der FDP gehört, war sehr überzeugend. Er beschrieb sich selbst: “Liberal…in dem Sinne, dass der Staat wenig tun sollte und die Meinung… die Bürger wissen, was sie am besten tun sollen.” Eine Befragte, die zu der CDU gehört, sagte, dass ihre Einstellung liberaler als die der CDU sei und dass “man…Dinge frei gestaltet und…die Bürger … ihre Freiheit haben sollen.” Diese liberale politische Ideologie, die die Befragten deutlich aussprechen, stehen für den freien Markt und für das Recht der Bürger ohne staatliche Eingriffe zu leben. Eine andere Befragte, die auch zu der CDU gehört, sagte nie explizit, dass sie liberal sei, aber sie hat ähnliche Ideen über die limitierte Rolle des Staates. Sie entschied sich, zu der CDU zu gehören, weil sie “nicht so sozial, ganz so sozial ausgerichtet [ist], weil das einfach nicht umsetzbar ist.” Sie betonte auch die marktliberalen Ideen der Belohnung der Qualität: “nicht alle Männer können das gleiche verdienen.” Diese liberalen Ideen beeinflussen, wie diese Befragten die Position der Frauen in der Politik sehen.

Obwohl die liberalen Befragten nicht denken, dass der Frauenanteil in der Politik dem der Männer entspricht, heben sie diese Idee nicht hervor, weil Gleichberechtigung nicht ein Teil ihrer politischen Ideologie ist. Wenn ein FDP-Mitglied über die Rolle der Frauen in der FDP ausgefragt wurde, sagte der: “Im Hamburger Vorstand der Jungen Liberalen sind drei von acht Mitgliedern weiblich. Das ist schon in Ordnung, aber wir versuchen mehr Mitglieder zu motivieren, aber es funktioniert irgendwie nicht. Ich sage nicht warum.” Hier erkannte er, dass es weniger Frauen gibt, aber er hatte keine Gründe dafür, weil das nicht ein Teil seiner Politik ist. Wenn ein liberaler Befragter einen Grund dafür hat, ist es etwas, was die Frauen kontrollieren können und was nicht diskriminierend ist, wie zum Beispiel Interesse. Einer der CDU-Mitglieder sagte: “Oft ist es ja teilweise so, dass in den Bereichen, wo die Männer so dominieren, oft sind es die Bereiche, die Frauen dann nicht so interessieren. Und da ist es dann irgendwie auch ein bisschen schwierig [die Frauenquote einzuführen].” Weil die Gründe für die Unterrepräsentierung der Frauen von den Frauen selbst stammen, ist eine Quote nicht sinnvoll.

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Graffiti an der Universität Hamburg

Ein großer Teil dieser liberalen Ideologie ist die freie Marktwirtschaft. Alle Befragten sprachen über die Wichtigkeit des freien Marktes, besonders als sie über die Frauenquote in der Privatwirtschaft sprachen. Ein FDP-Mitglied beschrieb seine Ablehnung der Frauenquote für Unternehmen: “[ich lehne sie ab,] weil die Privatwirtschaft am besten wissen sollte, was für sie richtig ist.” Das CDU-Mitglied betonte auch die freie Marktwirtschaft: “Und für mich ist einfach die Wirtschaft sag ich mal auch eine freie. Also ich verstehe sie eben so.” Diese Idee ist auch wichtig für Politik, weil die Befragten die Idee benutzen, dass politische Einrichtungen wissen, was sie tun sollen und welche Menschen am besten für den Job sind. Deswegen ist Qualifikation wichtig, weil die Politik Menschen belohnt, die am besten qualifiziert sind. Ein anderer Befragter sagte:

"Also zum einen finde ich, sind wir immer mehr in einer Leistungsgesellschaft und da steht eben die Qualität sag ich mal im Vordergrund...
ich hatte einfach die Befürchtung, dass wenn es so eine feste Quote gibt...müssen unbedingt Frauen rein, dass sie vielleicht weniger qualifiziert sind."1

Ein anderes CDU-Mitglied sagte es so:  “Qualifizierung ist glaub ich sehr wichtig. Das kann ich mir sogar sehr gut vorstellen, dass wenn die Quote bei 40% liegt, dass da überall Qualifizierung [verringern würde].” Die Idee, dass nicht genug qualifizierte Frauen existieren, wurde von dem FDP-Mitglied artikuliert: “Unternehmen meine ich dann, wenn sie dann keine Frauen finden, die da passen, dann sollten sie nicht gezwungen werden, Frauen einzustellen, obwohl sie…bessere Männer finden würden.” Obwohl er über die wirtschaftliche Quote sprach, ist die Idee die gleiche. Die Liberalen lehnen die Frauenquote ab, weil die Leistungsgesellschaft, wie die freie Privatwirtschaft, weiss, wer am besten qualifiziert ist und diese Menschen belohnt. Weil es jetzt weniger Frauen in der Politik gibt, bedeutet das, dass es nicht genug Frauen gibt, um eine Quote auszufüllen, und daher soll es keine Frauenquote geben.


  1. Aus dem Interview mit einem Studenten